Kommunen & Smart City
Zwei Jahre Plastik. Kein einziger Messwert.
Grüne Wassersäcke gelten als schnelle Hilfe für Stadtbäume. Die Erfahrungen aus Kommunen und Fachwelt zeichnen ein anderes Bild.
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Grüne Wassersäcke gelten als schnelle Hilfe für Stadtbäume. Die Erfahrungen aus Kommunen und Fachwelt zeichnen ein anderes Bild.
Säcke aus UV-empfindlichem PVC halten laut Herstellerkatalog etwa zwei Jahre, aus PE drei bis vier Jahre. Säcke aus Recyclingmaterial werden bislang nicht angeboten. Was bleibt, ist Kunststoffmüll – und wie jeder Kunststoff im Freien wird er durch UV-Strahlung spröde und zerfällt in immer kleinere Teile.
Kleine Säcke durchfeuchten vor allem die oberste Bodenschicht. Die Wurzeln folgen dem Wasser nach oben – und der Baum wird anfälliger für Trockenstress. Die Stadt Laatzen hat ihre Säcke nach dieser Beobachtung abgeschafft und gießt wieder per Hand.
In der Sonne heizt der Kunststoff den Stamm stark auf, die Dauerfeuchte begünstigt Schimmelpilze und Schädlinge, berichtet die Stadt Velten. In Berlin-Mitte wurde unter stammnahen Säcken an älteren Bäumen Pilzbefall festgestellt.
Weil das Wasser nur langsam tröpfelt und nicht tief eindringt, eignen sich die Säcke laut BUND lediglich für junge Bäume in den ersten zwei Jahren. Für ältere Bäume ist die Bewässerung am Stamm nutzlos – ihre Feinwurzeln liegen weiter außen.
Ob der Sack leer ist, ob das Wasser die Wurzeln erreicht, ob der Baum überhaupt Wasser braucht – das weiß niemand. Nachgefüllt wird nach Kalender.
Ein Bodenfeuchtesensor im Wurzelbereich zeigt, was der Baum wirklich braucht – jeden Tag, ohne Plastik am Stamm. Gießfahrten gibt es nur noch, wenn der Boden trocken ist, und die Messwerte belegen jede Wassergabe. → Überwachen statt raten
Dann machen Sensoren sie zumindest sehend: Sie zeigen, ob das Wasser aus dem Sack überhaupt in der Wurzelzone ankommt – und wann Nachfüllen wirklich nötig ist.